Kleben statt bohrenFür die Montage von Gardinenleisten, Deckenlampen, Wandspiegeln oder auch nur für den Seifenhalter im Badezimmer bleibt dem Handwerker oft keine andere Möglichkeit, als zu Bohrmaschine, Dübel und Schrauben zu greifen. Doch diese Art der Befestigung wird schnell kompliziert, wenn es sich um eine massive Betondecke, oder zerbrechliche Fliesen handelt. Eine Reihe von Klebern und Klebebändern verspricht, ohne viel Aufwand, Lärm und unhandliches Werkzeug die Bohrmaschine ersetzen zu können und auch bei der Anwendung eines unerfahrenen Hobbyhandwerkers ein präzises, sicheres Ergebnis. Doch wird der Schlagbohrer wirklich von einem Kleber abgelöst? In welchen Situationen ist es sinnvoller zu kleben statt zu bohren und wo bleibt das Arbeiten mit Dübel und Schraube weiterhin notwendig?

Montagekleber hält für die Ewigkeit
Die stärkste Klebevariante ist der Einsatz von Montagekleber. Er ist für einen Untergrund aus Holz, Putz, Beton oder Gips ausgelegt. Auch auf einem glatten oder lackierten Untergrund wie Fliesen, Glas, Metall, Keramik oder Stein ist die Anwendung möglich, sofern das zweite, verwendete Material saugend, bzw. porös ist, da ansonsten der Kleber nicht einziehen kann. Zu beachten ist allerdings, dass ein sicherer Gebrauch auf Tapeten und überstrichenen Oberflächen nicht gewährleistet werden kann. Der Kleber dringt nicht tief genug in das Mauerwerk ein, sondern setzt sich in der oberen Schicht fest. Er besitzt zwar genügend Haftkraft, doch können nur Gegenstände befestigt werden, welche auch von der Tragkraft der Tapete, bzw. Farbe gehalten werden können. Auf 1 m² entwickelt der Klebstoff eine sofortige Haftkraft von 50 kg, welche nach zwei Tagen Aushärtezeit bis zu 2 t erreichen kann. Diese Gewichtsangaben sollen vor allem verdeutlichen, dass die Belastbarkeit des Montageklebers vollständig mit der von Schraube und Dübel mithalten kann. Die Durchführung der Montage ist denkbar simpel: Als Vorbereitung ist darauf zu achten, dass der Untergrund fest, trocken, staub- und fettfrei ist, damit der Kleber eine ideale Haftfläche hat. Bei dem Klebevorgang selbst solltest Du den Kleber sorgfältig auf eine der beiden Klebeflächen auftragen, so dass er nach dem befestigen nicht an der Rückseite hervorquillt. Das größte Problem an dem Montagekleber ist, dass Du ihn nur sehr schwer wieder entfernen kannst. Setzt Du den Kleber beispielsweise doch einmal an der Tapete ein, so solltest Du Dir gewiss sein, dass Du den betreffenden Bereich der Tapete am Ende mit entfernen musst. Auf glattem, undurchlässigem Untergrund besteht jedoch die Möglichkeit den Kleber mit einem aggressiven Lösemittel wie Aceton, oder durch die Behandlung mit Wärme, wie die eines Heißluftföhns, zu entfernen.

Montageklebeband erspart kleinteiliges Bohren
Im Gegensatz zum Montagekleber bist Du mit dem Montageklebeband, oder auch Spiegelklebeband etwas flexibler. Das doppelseitige Klebeband kannst Du auf dem gleichen Untergrund einsetzen, wie den Montagekleber, doch brauchst Du Dir in diesem Fall keine Gedanken bei glatten Materialien machen, wie Spiegeln, Fliesen oder Glas. Die Haftkraft des Klebebands ist im Vergleich zum Kleber hingegen geringer. Zwar reichen auch hier die Angaben bis zu 120 kg, doch ist das Montageklebeband eher für einen Anwendungsbereich bei leichteren Objekten gedacht. In der Vorbereitung müssen auch hier die Oberflächen sauber, trocken, staub- und fettfrei sein und das Klebeband sorgfältig auf den Gegenstand geklebt werden, bevor Du die Schutzfolie auf der Hinterseite entfernen kannst. Wichtigste Voraussetzung ist, dass der Gegenstand genügend Haftfläche besitzt. Der große Vorteil von Montageklebeband ist im Vergleich zur Bohrmaschine, dass kleinere Gegenstände, wie ein Handtuch- oder Seifenhalter auch auf problematischem Untergrund unkompliziert und sicher befestigt werden können, ohne eventuell Fliesen zu beschädigen. Ebenfalls großflächige Projekte, wie die Installation von Gardinenleisten, können einfach und präzise erledigt und ein vielfaches Ansetzen des Bohrers vermieden werden. Dem Montagekleber gegenüber hat das doppelseitige Klebeband den Nutzen, dass es sich von festen Oberflächen restlos entfernen lässt. Für schwere Gegenstände, oder jene mit geringer Befestigungsfläche ist das Montageklebeband allerdings ungeeignet.

Fazit
Montagekleber und Klebeband bieten ernst zu nehmende Alternativen zu Bohrmaschine und Dübel. Für schwere Gegenstände ist der Montagekleber ideal, doch ist es äußerst wichtig auf den Untergrund zu achten. Zusätzlich kann die Entfernung des Klebers unter Umständen problematisch sein. Einen flexibleren Einsatz garantiert das Montageklebeband. Dieses funktioniert auch auf Oberflächen, welche beim Bohren Schwierigkeiten bereiten und lässt sich von festen Untergründen restlos entfernen, falls der Gegenstand zu einem späteren Zeitpunkt wieder abmontiert werden soll. Wer zur Miete wohnt oder einfach generell Abneigung gegen den Lärm, Aufwand und Staub beim bohren hat, sollte zum Klebeband greifen. Bei zahlreichen Gelegenheiten kann es also heißen: Kleben statt bohren – auch wenn die Klebevariante eine Bohrmaschine sicherlich nicht völlig ersetzen kann.

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