Von Raufaser bis Glasgewebe: Die verschiedenen Tapetenarten und was bei ihrer Verwendung zu beachten istBei der Auswahl der richtigen Tapete kommt es nicht nur darauf an, dass Dir deren optische Eigenschaften zusagen, sondern auch auf die Wahl des Materials. Ob sich eine Tapetenart für einen bestimmten Raum eignet, hängt auch von dessen Nutzung und der Beschaffenheit des Untergrundes ab. Hat man sich für eine Tapete entschieden, gilt es beim Tapezieren darauf zu achten, dass entsprechend dem Material bestimmte Regeln zu beachten sind.

Raufasertapete
Der Klassiker ist streng genommen eigentlich gar keine Tapete: Die Raufasertapete muss nämlich nach dem Anbringen an der Wand noch gestrichen werden und bringt so – anders als Tapeten im eigentlichen Sinne – ihre finale Oberfläche noch nicht mit. Raufasertapeten bestehen aus mehreren Papierschichten. Für die typische Optik sorgen eingearbeitete Holzfasern. Die Raufasertapete ist äußerst günstig und – wenn man einmal vom zusätzlich nötigen Anstrich absieht – sehr umweltfreundlich. Meist besteht sie zu mehr als 60% aus Altpapier. Raufasertapeten müssen nach dem Bestreichen mit Spezialkleister 5 bis 10 Minuten einweichen, bevor sie an die Wand gebracht werden.

Papiertapete
Unter den eigentlichen Tapeten ist die Papiertapete am häufigsten vertreten. Sie hat meist zwei Schichten: das Trägermaterial und eine bedruckte, geprägte oder plissierte Sichtseite. Hochwertigere Papiertapeten haben noch eine dritte Schicht auf der Wandseite. Diese macht die Tapete stabiler und sorgt durch die dadurch glattere wandseitige Oberfläche für einen geringeren Kleisterverbrauch. Einige Papiertapeten sind spaltbar. Beim Entfernen kannst Du so eine wandseitige Schicht als Grundlage für die neue Tapete kleben lassen. Papiertapeten sind quellfähig und müssen deshalb ebenfalls nach dem Aufbringen des Kleisters einweichen, und zwar 8 bis 12 Minuten. Als Klebstoff kann Normalkleister aus Methylzellulose, aber auch Spezialkleister verwendet werden.

Vliestapeten
Bei Vliestapeten besteht das Trägermaterial aus Zellstoff und Textilfasern. Sie können leichte Risse überbrücken. An der Oberfläche haben Vliestapeten oft Relief- oder Vinylschichten. Da Vliestapeten nicht quellen, kannst Du sie gleich nach dem Einkleistern an die Wand kleben. Für diese Tapetenart ist im Handel ein spezieller Kleister erhältlich. Vliestapeten können auch im Wandklebeverfahren verarbeitet werden. Dabei wird nicht die Tapete mit Kleister bestrichen, sondern die zu tapezierende Wand. Häufig werden auch andere Tapeten wegen ihrer Relief- oder Vinyloberfläche als Vliestapeten bezeichnet. Echte Tapeten dieser Art erkennst Du an ihrem Zellstoff-Textil-Trägermaterial. Dieses sorgt beim Reißen für faserige Kanten.

Relieftapeten
Relieftapeten bzw. Strukturprofiltapeten haben Papier oder Textilvlies als Trägermaterial. Ihre Struktur entsteht durch auf den Träger aufgebrachte aufgeschäumte Farbpasten.

Vinyltapeten
Vinyltapeten sind äußerst robust und können deshalb besser als andere Tapetenarten gereinigt werden. Du kannst sie mit einer Bürste und Wasser (evtl. auch Seifenlauge) abwaschen. Aus diesem Grund finden sie in Bereichen Anwendung, in denen häufiger Verunreinigungen vorkommen, etwa in Küchen oder Treppenhäusern. Die durchgängige Oberfläche aus Kunststoff (meist PVC) macht die Vinyltapeten wasser- und lichtbeständig, sorgt aber auch dafür, dass der Feuchtigkeitsausgleich zwischen Wand und Raum beeinträchtigt ist. Beim Anbringen der Tapeten bedeutet dies, dass sie fast ausschließlich zur Wand hin trocknen. Du solltest deshalb darauf achten, dass die Wand Feuchtigkeit im notwendigen Maße aufnehmen kann. Auch Vinyltapeten haben einen Träger aus Papier oder Textilvlies. Ebenso wie bei Relieftapeten wird bei Vinyltapeten Spezialkleber mit einem Zusatz von gut 20% Dispersionskleber verwendet.

Textiltapeten
Textiltapeten haben eine leicht wärmedämmende Wirkung und verbessern die Raumakustik. Sie bestehen aus Fäden oder Gewebe, das auf einen Papierträger aufgebracht wurde. Beim Tapezieren kannst Du hier Normalkleister verwenden. Textiltapeten müssen mit 15 bis 25 Minuten besonders lange einweichen.

Fototapete
Möglichkeiten eine individuelle Tapete zu gestalten bietet heute die Fototapete bzw. Wandbildtapete. Wenn Du Dir solch einen Wandbelag zulegen willst, musst Du nicht mehr unter vorgegebenen Motiven auswählen. Dank des technischen Fortschritts kannst Du auch Deine eigenen Bilder und Grafiken drucken lassen und so Deine ganz eigene Tapete gestalten. Als Trägerschicht für den Druck dienen dabei Papier, Fotoleinen oder anderes Gewebe. Mit welchem Kleister eine Fototapete an die Wand gebracht wird, hängt vom Material ab. Meist reicht Normalkleister.

Glasgewebetapete
Eine Besonderheit vom Material her sind Glasgewebetapeten. Bei ihrer Herstellung wird geschmolzener Quarzsand mit Fäden verflochten und mit Stärkeprodukten behandelt. Für Glasgewebe ist im Handel ein spezieller Kleister erhältlich. Wie bei Vliestapeten kannst Du auch bei Glasgewebetapeten das Wandklebeverfahren anwenden.

Fazit
Es gibt zahlreiche Tapetenarten aus verschiedenen Materialien. Bevor Du Dich für eine Tapetenart entscheidest, solltest Du überprüfen, ob das Material für die zu tapezierende Fläche geeignet ist und welche Vor- und Nachteile es mit sich bringt. Die Art der Tapete entscheidet darüber, welchen Kleister Du beim Tapezieren verwenden und welches Verfahren Du dabei anwenden kannst.

Bildquellenachweis: © Rainer Sturm / PIXELIO